ZOOGESCHICHTE(N)
Wilde Tiere für Europa
Die Burg Vischering eröffnet am 3.4.2011 eine Wanderausstellung zur Geschichte des europäischen Zoos. Sie zeigt unter anderem historische Objekte und Kuriositäten, die zum Teil noch nie öffentlich zu sehen waren. Bis zum 29.5. ist die Ausstellung geöffnet.
Der Zoo ist als Ort der Unterhaltung, der Bildung und des Vergnügens ein beliebtes Ziel der Freizeitgestaltung. Tierkinder faszinieren die Medienwelt, die in Dokumentationen beinahe täglich den Blick hinter die Kulissen deutscher Zoos ermöglicht. Zoos sind wahre Publikumsmagneten. Sie haben weitaus mehr Besucherzahlen vorzuweisen als Museen und Theater. Nirgends sonst kommt man den Elefanten, Löwen und Tigern, Giraffen, Bären und Affen so nahe.
Von den ersten Zoogründungen bis zum heutigen Verständnis der Tierhaltung in den Parks hat sich bei den Verantwortlichen vieles geändert. Es geht nicht mehr darum, möglichst viele unterschiedliche Tierarten zu zeigen, nicht mehr darum, sich durch die Menge und Ausgefallenheit der Präsentation von Exoten mit anderen Zoos zu messen. Die Gärten kooperieren, helfen sich bei der Nachzucht und im Artenschutz, beschränken sich auf sinnvolle Tierbestände. Der Zoo versucht in vielen Fällen das Überleben höchst bedrohter Tierarten zu garantieren. Er ist sogar in der Lage, dem nicht nur an Exotik interessierten Besucher aufzuzeigen, welche katastrophalen Folgen der bedenkenlose Umgang des Menschen mit den Ressourcen der Natur für die Tiere der Welt hat.
Die Geschichte der zoologischen Gärten ist facettenreich und mehr als ausstellungswürdig. Dieses Ausstellungsprojekt wurde wesentlich vom Westfälischen Pferdemuseum im Allwetterzoo und seiner Direktorin und Projektleiterin Sybill Ebers erarbeitet und mit Hilfe des LWL?Museumsamts umgesetzt. Die Ausstellung zeichnet die wechselvolle Geschichte der Zoos in Europa und Westfalen von den ersten zoologischen Gärten bis hin zu heutigen Entwicklungen nach. Der Tiergarten Schönbrunn in Wien (1752) war die älteste Menagerie, die sich zum Zoo entwickelte, die Ménagerie du Jardin des Plantes in Paris (1793/94) ist der älteste wissenschaftlich geführte zoologische Garten, der Zoological Garden in London (1828) war der erste Zoo, der auch diesen Namen trägt; in Berlin (1844) eröffnete der erste deutsche Zoo.
1875 folgte der Westfälische Zoologische Garten zu Münster. Diese Gründung ist eng mit dem Namen Hermann Landois verbunden. Mit dem Umzug an die Sentruper Straße 1974 änderte sich der Name in Allwetterzoo Münster, denn das neue Gelände hatte überdachte Wege erhalten. In den Tiergärten in Bochum (1933) und Rheine (1937) standen anders als in Münster nicht exotische Tiere oder fremde Völker im Zentrum, sondern hier besann man sich bei ihrer Gründung auf die heimische Fauna und Flora. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Zoos in Gelsenkirchen (1949) und Dortmund (1953) eröffnet.
Die weiteren Themenschwerpunkte der Ausstellung: Die frühen Völkerschauen der Zoos – die Präsentation von Menschen "exotischer" Herkunft – erfreute sich in vielen Zoos jahrzehntelang großer Beliebtheit; Fangmethoden und Tiertransporte ? mit Gründung der wissenschaftlich geführten zoologischen Gärten waren exotische Tierimporte nicht mehr nur Zufallsprodukt dank Handelsreisender oder diplomatischer Geschenke; Arbeitsplatz Zoo: Blick hinter die Kulissen, der Zoo als Wirtschaftsunternehmen; Zooarchitektur ? vom Käfig zum Naturschutzpark; der Zoo heute und der Zoo der Zukunft.
Auch die Randthemen wie Unfälle und Gewalt gegen Tiere im Zoo sowie berühmte Zoobewohner (von "Jumbo" über "Antje" zu "Knut" und "Ebun") werden aufgegriffen. Zum Schluss wird den Fragen nachgegangen: Welche Ziele und Aufgaben haben Zoos heute? Wie funktioniert ein Zoo heute? Und schließlich kommen die Themen Zuchtprogramme und Artenschutz für das neue Selbstverständnis der Zoos nicht zu kurz.
Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 03.04.2011, um 11.00 Uhr lädt der Kreis Coesfeld alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich ein. Der Landrat des Kreises Coesfeld, Konrad Püning, eröffnet die Ausstellung. Sybill Ebers, die Direktorin des Westfälischen Pferdemuseums und Kuratorin der Ausstellung führt in die Thematik ein.
Zur Ausstellung wird ein erweitertes museumspädagogisches Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Nähere Informationen unter Burg Vischering, Tel.: (02591) 7990-11.
Service-Tipps
Hier finden Sie direkte Links zu einigen unserer Services:





